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DVD (Opus Arte) |
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Anmerkungen:
Spielzeit: [155'30"] Änderungen, Ergänzungen oder Kürzungen größeren Ausmaßes im Vergleich zu der üblichen Choudens-Fassung treten in folgenden Akten auf:
2. Akt - Olympia [35'15"] 3. Akt - Giulietta [26'00"] 4. Akt - Antonia [47'45"] 5. Akt - Stella [13'15"] |
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Kommentare: Obwohl es keine wirklichen Aussetzer bei den Sängern, dem Dirigat und dem Orchester dieses Mitschnittes gibt, liegen die Stärken dieser Produktion eindeutig auf Seiten der Inszenierung. Auch wenn hin und wieder etwas viel herumgestanden wird, so präsentiert Giancarlo del Monaco ein vielschichtiges, bisweilen bedrückendes Kaleidoskop aus Hoffmanns Fantasien. Genutzt werden dabei zahlreiche Möglichkeiten des Bühnenbildes, seien es nun Lichteffekte, überdimensionale Requisiten oder die zahlreichen Türen, welche die verschiedensten Auf- und Abgänge erlauben. Dabei scheinen sämtlichen Szenerien einem Alptraum entsprungen zu sein, wie die von Hoffmanns über und über mit Stellas Namen beschmierten Wände in Luthers Taverne, die morbide Gesellschaft in Spalanzanis Haus oder auch Crespels beklemmendes Kabinett, in welchem schließlich die Leichen aller Geliebten sitzen. Klein-Zack, daran läßt del Monaco keinen Zweifel, ist niemand anders als Hoffmann selbst: physisch wie psychisch deformiert, dabei am Rande der Debilität, nicht in der Lage, das um ihn herum ablaufende Geschehen auch nur im Ansatz zu begreifen. Nicklausse hingegen ist die kühl abwägende Muse, die letztlich dieselben Ziele verfolgt wie Hoffmanns Widersacher, nämlich den Dichter um seine Geliebten zu bringen. So ist es Nicklausse, der im Antonia-Akt während des Terzettes mit der Stimme der Mutter zur Geige greift und Antonia auf diese Weise hetzt, sich in den Tod zu singen. Das Dirigat Alain Guingals ist ohne Abstriche in Ordnung, liefert aber wenig Höhepunkte. Das Orchester leistet sich hin und wieder verzeihliche kleine Patzer. Mit Stimme und Physiognomie Aquiles Machados muß man sich ein wenig anfreunden: die hohen Passagen klingen grenzwertig, wenngleich sie engagiert vorgetragen werden. Und von der äußeren Erscheinung her hat der gedrungene Tenor keine Gemeinsamkeiten mit dem Namensgeber des Werkes. Dies muß vielleicht auch nicht sein, ist aber, wie gesagt, gewöhnungsbedürftig. Den hilflosen, beinah schwachsinnigen Dichter nimmt man ihm jedoch allemal ab. Sehr gut schlägt sich Katharine Goeldner in der Doppelrolle Muse / Nicklausse. Stimmlich tadellos und im Ausdruck überzeugend ist dieser Gefährte Hoffmanns ein zweifelhafter Freund, durchaus bedacht, seinen eigenen Vorteil zu wahren. Milagros Poblador liefert beeindruckende Koloraturen ab und spielt die Aussetzer in Olympias Automatik mit drolligen Gluckslauten. Die Giulietta Valentina Kutzarovas wartet mit einem warmen, dramatischen Sopran auf, ist jedoch ein Opfer der bereits erwähnten hin und wieder statischen Inszenierung. Maria Bayo setzt der Partie ihrer hörenswerten Antonia einen ungeschickten Schlußpunkt: sie bricht im Spitzenton des Terzettes mit der Mutter sofort (sterbend) ab. Leider klingt dies so, als hätte sie diesen Ton nicht singen können und daher vermeiden wollen. Schade. Itziar Fernández de Unda (Stella) tritt der Oeser-Fassung entsprechend nur als Teil des Ensembles im Finale auf. Darstellerisch souverän und stimmlich außerst diszipliniert präsentiert Konstantin Gorny Hoffmanns ewige Widersacher. Es tut gut, in dieser Rolle einmal jemand anderes zu sehen und zu hören als José van Dam, der in den letzten Jahrzehnten bei Studioeinspielungen wie Bühnenproduktionen auf diese Rolle abonniert zu sein schien. Konstantin Gornys Lindorf nimmt man ab, wenn er singt »Je suis vieux, mais je suis vif!« (»Ich bin alt, aber quicklebendig!«). Es ist wohl mehr der Inszenierung als José Ruiz anzulasten, daß die Diener wieder einmal zu brav daherkommen. Die stimmlich eher leichten Partien leben eben von der Ausarbeitung der skurillen Charaktere, und wenn diese unterbleibt, sind Andrès, Conchenille, Pitichinaccio und Frantz nicht mehr als schmückendes Beiwerk - und so ist es dann auch hier. Ton und Bild sind gut. Etwas enttäuschend ist allerdings die Tatsache, daß die Wechsel des Lasers beim Sprung von der ersten zur zweiten Datenschicht nach jeweils circa 50 Minuten einer DVD mit einem nicht zu überhörenden Tonausfall einhergehenden. Dies hätte man durchaus sorgfältiger schneiden können. Fazit: Alles in allem erwartet den Zuschauer mit dieser Produktion eine sehenswerte, verträumte, wenn nicht in einigen Teilen sogar gespenstische Inszenierung der »Contes«. Empfehlenswert.
[ Marcus Ebeling ]
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Die Freude über die Neuaufnahme dieser beliebten Oper wird ein wenig getrübt, hat man doch erneut auf eine inzwischen überholte Fassung zurückgegriffen. Das ist bedauerlich, da bis heute noch keine »Contes«-Inszenierung auf DVD gebannt wurde, die auf den neuesten Erkenntnissen der Musikforschung basiert. Nichtsdestotrotz bekommt man durch den Live-Mitschnitt aus Bilbao einen stimmigen und aus ganz anderer Perspektive betrachteten »Hoffmann« zu sehen. Giancarlo del Monaco lässt die Handlungen in einem kargen und düsteren Einheitsbühnenbild spielen, welches durch diverse Requisiten, einschiebbare Großkulissen und interessante Beleuchtungseffekte variiert. Schwarze Wände mit allerlei Türen - drehbar, verwandelbar -, ein Flügel, eine oft benutzte Leiter, verschiedene Stühle - eine bedrückende und schauerliche Atmosphäre wird aufgebaut. Ein deutlich abstechender Farbtupfer in der Ausstattung ist die Signalfarbe Gelb, die sich wie ein roter Faden durch das gesamte Werk zieht. So benutzt Hoffmann gelbe Kreide, um die finsteren Wände mit dem Namenszug "Stella" zu beleben, jedoch nur bis zu einer Höhe, an die auch ein Klein-Zack heranreichen würde. Alle Geliebten Hoffmanns sind Lichtblicke in dem eher dunklen Geschehen, und so kleidet der Kostümbildner die vier Damen in besagtes Gelb, wobei er in der Farbintensität sehr durchdacht nuanciert. Die gerade fertiggestellte Olympia trägt ein frisches und kräftiges, die sterbenskranke Antonia dagegen ein leichenblasses Gelb. Giulietta zeigt sich in einem träumerisch, verspielten Kleid mit üppiger Schleppe, unter der sie all ihre Opfer leicht verbergen könnte. Auch Stella tritt in einem gelben, sehr vornehmen und divenhaften Kostüm auf. Hoffmann wird hier als körperlich kranker Mensch dargestellt. Buckel und Klumpfuß sind übertriebene Symbole für den labilen Gesundheitszustand des wahren E.T.A. Hoffmann, der allerdings von recht kleiner, spindeldürrer und äußerst beweglicher Statur war. Den instabilen Seelenzustand des Dichters macht Aquiles Machado mit seiner Gestik und Körpersprache deutlich. Gesanglich liefert der Tenor eine akzeptable Leistung, doch man braucht ein wenig Zeit, um sich an sein Timbre und den Hang zum Forcieren zu gewöhnen. Sobald er seine Stimme etwas zügelt, klingt sie viel geschmeidiger und angenehmer. Von allen Solisten gefällt mir Katharine Goeldner am besten. Ihr warmer und voll klingender Mezzo-Sopran und die Art und Weise, Muse / Nicklausse zu verkörpern, überzeugen mich. Die Darstellung der Olympia, inklusive Spalanzani und Fernbedienung, hat man so schon ähnlich gesehen - trotzdem eine hübsche Szene. Als Hoffmann in seiner Romanze Olympia die Liebe gesteht, vermenschlicht die Puppe kurzweilig zu der gesungenen Passage » ... laisse ma flamme verser en toi le jour!« - sehr nett gemacht. Der Gesang von Milagros Poblador geht in Ordnung, eventuelle Unklarheiten in ihrem Vortrag kann man bei dieser Rolle durchaus als gewollt betrachten. Im Giulietta-Akt begegnet man einer geh-unfähigen Kurtisane, Hoffmann scheint also nicht der Einzige zu sein, der Mitleid erregt. Die Gestalten um Giulietta herum tragen Masken, was zeigen soll, daß sie bereits ihr Spiegelbild - ergo ihre Seele - verkauft haben. Der Antonia-Akt ist ohnehin der bedrückendste der ganzen Oper, und so wird er auch in Bilbao umgesetzt. Wie in der Geschichte vorgesehen lebt die verstorbene Mutter in der Tochter weiter, deshalb schiebt Antonia wohl einen Kinderwagen vor sich her, in dem sie wahrscheinlich einst selbst gelegen hat. Weitere Details, die man erst nach und nach entdeckt, lassen erkennen, daß sich die Macher dieser Produktion auch eindringlich mit dem Leben und Gesamtwerk E.T.A. Hoffmanns befasst haben (sollte eigentlich Voraussetzung sein). Rein musikalisch liegt hier zwar keine herausragende Aufnahme vor, aber durchaus eine annehmbare mit einem engagierten Gesamt-Ensemble. Das Orchester spielt recht brav, der Chor klingt durch die Damen zuweilen etwas schrill und hat zudem ein wenig Probleme mit der französischen Sprache. Die technische Qualität der DVD ist soweit ok, leider bleiben die Akteure all zu oft im Dunklen, was man aber eher der Inszenierung bzw. der Lichtregie zuschreiben muss. Schaut man in die kurzen Extras der DVD, ist man erstaunt, unter welchen Bedingungen diese Aufführung entstand. Alle Achtung. Meine etwas lang geratenen Ausführungen zeigen, daß ich diesen »Hoffmann« als eine sehr interessante und gelungene Version von Offenbachs fantastischer Oper ansehe. Auf jeden Fall ist es aber eine lohnenswerte Ergänzung in der heimischen Sammlung.
[ Angela Herrmann • 13.04.07 ]
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Eine weitere überflüssige »Hoffmann«-Inszenierung, diesmal aus Bilbao. Die Sänger sind solider Durchschnitt. Der Hauptdarsteller allerdings ist weder akkustisch noch optisch ein überzeugender Hoffmann. Maria Bayo, im Barock-Fach hochgeachtet, klingt als Antonia leider überfordert. Sonst gibt es gesanglich nichts auszusetzten, aber eben auch nichts zu loben. Mit dem Dirigat verhält es sich ebenso. Die Inszenierung kommt auf den ersten Blick hochmodern daher, zumindest was die Bühne angeht. Die Kostüme heben diesen Eindruck schon wieder etwas auf, und die Personenführung ist reichlich konservativ geraten, um nicht zu sagen: langweilig. Zudem gibt es einige Ungereimtheiten und vieles ist einfach inkonsequent umgesetzt. Mit den auf DVD festgehaltenen Produktionen aus Paris und aus Lyon kann dieser Abend jedenfalls in keiner Hinsicht mithalten.
[ Michael Laricchia • 05.09.07 ]
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Diese Vorstellung hat mir nicht sonderlich gefallen. Der Tenor macht eine komische Figur und ist als Hoffmann nicht glaubwürdig. Das Bühnenbild ist zwar aufwendig, aber für mich nicht verständlich. Die Aktionen der Sänger auf der Bühne finde ich nicht besonders interessant. Es sind einige gute Sänger darunter, aber insgesamt wirkt alles auf mich etwas mittelmäßig.
[ leider anonym • 10.09.07 ]
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Diese DVD stellt für mich eine herbe Enttäuschung dar, weil die meisten Sänger mittelmäßig sind und die Inszenierung sich mir nicht erschlossen hat.
[ Callasco • 07.02.08 ]
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