Hoffmanns Erzählungen

Version Choudens

Dirigent: Wilhelm Schüchter





Mitwirkende:

Hoffmann Rudolf Schock
Niklaus Sieglinde Wagner
Olympia Rita Streich
Giulietta Rita Streich
Antonia Rita Streich
Dapertutto Josef Metternich
Dr. Mirakel Josef Metternich
die Stimme der Mutter Margarete Klose

Chor der Deutschen Oper Berlin
Leitung: Hermann Lüddecke

Berliner Symphoniker
Dirigent: Wilhelm Schüchter
Aufnahme:
Auszüge
in deutscher Sprache

Produktion:
Electrola - 1954, Berlin
1 LP (25 cm, 30 cm) / 1 CD - mono

Katalog-Nr.:
LP (25 cm, Electrola, 1954): WBLP 506
LP (25 cm, Electrola, 195?): E 60 061
LP (30 cm, Volksplatte): SMVP 8033
LP (30 cm, Dacapo): 1 C 047 28 577
CD (EMI): 7243 5 74269 2 3



Anmerkungen:

Spielzeit: [39'00"]

Folgende Nummern finden sich in der Auswahl dieser Aufnahme (der Übersichtlichkeit halber und um Verwechslungen zu vermeiden wird der jeweilige französische Text angegeben):

    1. Akt - In Luthers Taverne [06'45"]

  • Ouvertüre
  • »Il était une fois à la cour d'Eisenach« (Hoffmann)
  • Finale 1. Akt - Auszug: »Ma maîtresses?« (Hoffmann)


  • 2. Akt - Olympia [07'00"]

  • »Les oiseaux dans la charmille« (Olympia)
  • »Tu me fuis?« (Hoffmann)


  • 3. Akt - Giulietta [12'30"]

  • »Belle nuit, ô nuit d'amour« (Niklaus)
  • »Amis, l'amour tendre et rêveur!« (Hoffmann)
  • »Scintille, diamant« (Dapertutto)
  • »Malheureux! Tu ne comprends donc pas« (Giulietta) - Auszug


  • 4. Akt - Antonia [10'45"]

  • Finale 4. Akt - Auszug: »C'est une chanson d'amour« (Antonia)
  • »Ne plus chanter« (Hoffmann) - Auszug
  • »Tu ne chanteras plus?« (Dr. Mirakel)


  • 5. Akt - Stella [02'00"]

  • »Voilà quelle fut l'histoire« (Hoffmann) *

* Bei der hier eingespielten Version des 5. Aktes handelt es sich um die sogenannte "Berliner Fassung", in welcher Hoffmann eine letzte Strophe des Liedes von Klein-Zack singt und sodann der die Oper beendende Studentenchor folgt. Stella, Andreas und die Muse treten nicht mehr auf.

Die CD-Edition wurde ergänzt um vier zusätzliche Aufnahmen [21'30"]:
  • Ouvertüre »La Belle Hélène« [08'30"]
    [Orchesterfassung von Friedrich Lehner] **
    [Nordwestdeutsche Philharmonie, Dirigent: Wilhelm Schüchter,
    aufgenommen 1954 in Bielefeld, mono]

  • Ouvertüre »Barbe-Bleue« [05'00"]
    [Orchesterfassung von Fritz Hoffmann] **
    [Nordwestdeutsche Philharmonie, Dirigent: Wilhelm Schüchter,
    aufgenommen 1954 in Bielefeld, mono]

  • Intermezzo ("Barcarole", instrumental) aus »Les Contes d'Hoffmann« [03'30"]
    [Nordwestdeutsche Philharmonie, Dirigent: Wilhelm Schüchter,
    aufgenommen 1954 in Bielefeld, mono]

  • »Scintille, diamant« (in deutscher Sprache) aus »Hoffmanns Erzählungen« [04'30"]
    [Marcel Cordes, Berliner Symphoniker, Dirigent: Wilhelm Schüchter,
    aufgenommen 1958 in Berlin, stereo]

** Offenbach selbst stellte seinen Bühnenwerken oft, wenn auch nicht immer, nur kurze Introduktionen voran. Die Potpourri-Ouvertüren entstanden häufig durch fremde Hand anläßlich der jeweiligen Uraufführung einer Offenbachiade in Wien, wo das Publikum eine solche Einleitung erwartete.

Die Covermotive der beiden 25 cm-LPs gehen zurück auf Bilder aus dem zwischen 1947 und 1951 produzierten englischen Film »The Tales of Hoffmann«, bei welchem Sir Thomas Beecham dirigierte. 1951 kam der Film in synchronisierter Fassung als »Hoffmanns Erzählungen« in die deutschen Kinos.




Kommentare:


Mit der Besetzung und der Coverauswahl versuchte Electrola auf einen Zug aufzuspringen, der vor Jahren in Großbritannien gestartet war. Nach mehrjähriger Produktionsdauer war 1951 der aufwendige Kostümfilm »The Tales of Hoffmann« in den Kinos angelaufen und im gleichen Jahr wurde dieser auch in deutscher Sprache synchronisiert. Die Hauptrollen übernahmen dabei Rudolf Schock (Hoffmann), Rita Streich (Olympia) und Josef Metternich (Coppelius, Dapertutto & Dr. Mirakel), eben jene, welche man auch für den vorliegenden Querschnitt verpflichtete. Zur Covergestaltung bediente man sich ebenfalls bei Motiven des Filmes.

Der Klang der Aufnahme ist recht dumpf, was angesichts des Produktionsdatums 1954 nicht weiter verwundert. So kommen die Instrumente leider nur sehr verwaschen duch den Lautsprecher und bilden nicht mehr als den Hintergrund für die eindeutig lauter beigemischten Stimmen der Sänger.

War es bei der Synchronisation möglich gewesen, auf die originale Orchesterfassung des Filmes zurückzugreifen (es spielte das Royal Philharmonic Orchestra unter Sir Thomas Beecham), so verpflichtete man vorliegend die Berliner Symphoniker. Abgesehen vom mittelmäßigen Klang schafft es aber auch Wilhelm Schüchter leider nicht, dem Orchester wirklich besondere Momente zu entlocken. Das Dirigat liefert den Solisten eine solide Basis für ihre Stimmen, bleibt aber sehr bodenständig - zu bodenständig, um den Hörer wirklich mitzureißen.

Beeindruckender sind da schon die Stimmen der Protagonisten. Rudolf Schock ist noch jung genug, um auch die hohen Passagen zumindest zufriedenstellend zu meistern - eine Eigenschaft, die leider seinen schon wenig später folgenden Aufnahmen fehlen sollte. Sein Hoffmann hat Schwung und Ausdruck, durchlebt sämtliche Höhen und Tiefen der Rolle (soweit es der Querschnitt erlaubt), wobei der Ausdruck ja nie Rudolf Schocks Problem war.

Sieglinde Wagner bleibt von wenigen kurzen Einwürfen abgesehen nur der Niklaus-Part in der Barcarole. Beschränkt auf diese Nummer mag das (klangschöne) Timbre passen, für einen Niklaus innerhalb einer Gesamtaufnahme / einer Bühnenproduktion wäre es wohl ein wenig zu reif gewesen.

Rita Streich darf sich gleich dreimal als Hoffmanns Geliebte bewähren, wobei jede einzelne Rolle ein Genuß ist. Die Olympia hatte man Rita Streich öfter gegeben, die Besetzung als Giulietta und Antonia war da schon ungewöhnlicher. Olympia gerät wie immer filigran und gestochen scharf in den Koloraturen, im Venedig-Akt hingegen fällt der harmonische Zusammenklang mit der Stimme Sieglinde Wagners auf. Aber auch im Terzett mit Dr. Mirakel und der Stimme der Mutter kann sich Rita Streich mit ihrer relativ zarten Stimme als Antonia gegen Josef Metternich und Margarete Klose behaupten. Dieses Terzett ist wohl auch gleichzeitig der Höhepunkt der vorliegenden Aufnahme.

Bei den im Querschnitt verbliebenen Bösewichtern Dapertutto und Dr. Mirakel beeindruckt Josef Metternich mit unaufdringlicher und unerschütterlicher Qualität. Seine Stimme ist voll, unangestrengt und verfügt über ein angenehmes Timbre. Da verzeiht man gern, daß er am Ende der Spiegelarie auf den "Schummelton" ausweicht

Obwohl die Produktion alles in allem etwas hausbacken herüberkommt, bietet sie doch grundsolide Qualität und ist ein echtes Zeugnis für den Gesangsstil längst vergangener Zeit.

Die Zugaben der CD wurden erfreulich passend ausgesucht, sind es doch sämtlich Werke aus Offenbachs Feder und von Wilhelm Schüchter dirigiert. Während sich die Ouvertüre zur »Belle Hélène« und die instrumentale Version der Barcarole nicht sehr aus den üblichen Interpretationen herausheben, gelingt die »Barbe-Bleue«-Ouvertüre sehr originell. Höhepunkt ist aber eindeutig die Spiegelarie aus dem Jahr 1958, eine Stereo-Erstveröffentlichung. Diese Aufnahme mit Marcel Cordes als Dapertutto ist wohl die schönste Version dieser Arie, die der Offenbach-Katalog zu bieten hat.

[ Marcus Ebeling ]





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