The Tales of Hoffmann

Version Choudens

Dirigent: Jean Morel



LP (The Metropolitan
Opera Record Club)


LP (RCA)




Mitwirkende:

Hoffmann Jon Crain
Nicklausse Helen Vanni
Olympia Laurel Hurley
Giulietta Rosalind Elias
Antonia Lucine Amara
Coppelius Martial Singher
Dapertutto Martial Singher
Dr. Miracle Martial Singher
Conchenille Charles Anthony
Pitichinaccio Charles Anthony
Spalanzani Paul Franke
Schlemil Clifford Harvout
Crespel Norman Scott
die Stimme der Mutter Sandra Warfield

Metropolitan Opera Chorus
Leitung: Kurt Adler

Metropolitan Opera Orchestra
Dirigent: Jean Morel
Aufnahme:
Auszüge
in englischer Sprache

Produktion:
The Metropolitan Opera Record Club - 1957
1 LP - mono

Katalog-Nr.:
LP (The Metropolitan Opera Record Club): MO 710
LP (RCA): LM 2310



Anmerkungen:

Spielzeit: [53'45"]

Folgende Nummern finden sich in der Auswahl dieser Aufnahme (der Übersichtlichkeit halber und um Verwechslungen zu vermeiden wird der jeweilige französische Text angegeben):

    1. Akt - In Luthers Taverne [06'30"]

  • Ouvertüre
  • »Drig, drig, drig, Maître Luther!« (Chor der Studenten)
  • »Il était une fois à la cour d'Eisenach« (Hoffmann)
  • Finale 1. Akt: »Peuh! Cette bière est détestable« (Hoffmann)


  • 2. Akt - Olympia [11'15"]

  • »Non, aucun hôte vraiment« (Chor der Gäste)
  • »Vous serez satisfaits, Messieurs« (Spalanzani)
  • »Les oiseaux dans la charmille« (Olympia)
  • Finale 2. Akt: »Voici les valseurs« (Spalanzani)


  • 3. Akt - Giulietta [20'15"]

  • »Belle nuit, ô nuit d'amour« (Nicklausse)
  • »Je vois qu'on est en fête« (Schlemil) - Auszug
  • »Scintille, diamant« (Dapertutto)
  • »Cher ange!« (Dapertutto)
  • »Malheureux! Tu ne comprends donc pas« (Giulietta)
  • »Schlemil!« (Giulietta)
  • »Hélas! Mon coeur s'égare encore« (Hoffmann)


  • 4. Akt - Antonia [15'45"]

  • »Elle a fui, la tourterelle« (Antonia)
  • »C'est une chanson d'amour« (Hoffmann)
  • »Tu ne chanteras plus?« (Dr. Miracle)
  • Finale 4. Akt: »Mon enfant! Ma fille!« (Crespel)

Ebenfalls unter dem Dirigat von Jean Morel entstanden:


Kommentare:


Um es vorwegzunehmen: dies sind keine Auszüge, wie man sie von der Opéra Comique oder einer anderen Pariser Bühne zu hören bekäme. Dies ist ein kleiner Hollywood-Film - und zwar einer, der ausgezeichnet inszeniert wurde. "Inszeniert" trifft dabei mehr zu, als man im ersten Moment ahnen mag, denn hier handelt es sich wirklich um »Erzählungen«. Die Arien und Szenen werden durch kurze, erklärende Sätze Hoffmanns begleitet und so endet beispielsweise der Olympia-Akt mit den Worten (sinngemäß übersetzt):

»Ja, meine Freunde, eine mechanische Puppe, das war es, was sich hinter Olympia verbarg, das Ergebnis von Spalanzanis kranker Fantasie, den der zwielichtige Coppelius mit einem Paar künstlicher Augen für die Puppe versorgt hatte. Als er herausfand, daß Spalanzani ihn zu betrügen versuchte, platzte er in das Fest hinein und zertrümmerte Olympia. Ich war verzweifelt.« [Anmerkung: Hier setzt die Barcarole ein.] »Um meine traurigen Gedanken zu vergessen, machte ich mich auf den Weg. Mit meinem guten Freund Niklaus fuhr ich nach Italien und in einer wundervollen Sommernacht fanden wir uns in Venedig wieder ... «

Jean Morel, der nur gut ein Jahr vorher bereits eine hörenswerte »Périchole« eingespielt hatte, sollte sich nun endgültig mit der vorliegenden Produktion bewähren. Wie bereits eingangs erwähnt, kann die Aufnahme ihre transatlantischen Einflüsse nicht leugnen, die amerikanische Vorliebe für hochdramatische Interpretationen begegnet dem Hörer ständig. Aber in sich ist die Einspielung sehr geschlossen. Man merkt sowohl dem Orchester als auch den Sängern an, daß sie das Werk von der Bühnenproduktion der Metropolitan Opera her sehr genau kannten und nicht nur für diesen Querschnitt ins Studio geholt wurden. Kurz gesagt: den Hörer erwartet eine versierte, schwungvolle Ensembleleistung.

Jon Crain verkörpert Hoffmann sowohl in den gesungenen Passagen als auch in den Texten hervorragend mit einer geschmeidigen und sehr ausdrucksstarken Stimme. Er versteht es ausgezeichnet, den Dichter als einen dem Schicksal unterworfenen, aber gleichwohl nicht tölpelhaften Menschen darzustellen.

Ihm an die Seite wurde der emanzipierte Nicklausse Helen Vannis gestellt, wobei auch hier (diktiert durch die notwendige Auswahl der Stücke) die Rolle als solche ein wenig zu kurz kommt. Gleichwohl: im Olympia-Finale und der Barcarole überzeugt Miss Vanni durch eine warme, volle Stimme, wobei auch die zynische Seite Nicklausses gut herauskommt.

Laurel Hurley war für Jahre eine umjubelte und vielbeschäftigte Sopranistin an der Metropolitan Opera, so war es selbstverständlich, daß man ihr auch einmal die Olympia gab. Und die Rechnung ging auf: klar, klangschön und sicher präsentiert sie den leblosen Automaten. Rosalind Elias sang über mehrere Spielzeiten die Giulietta an der Metropolitan Opera und sogar mehr als 20 Jahre nach Entstehen der vorliegenden Aufnahme trat sie noch in dieser Rolle auf (1980 an der Oper Miami unter Antonio de Almeida). Es überrascht insofern nicht im Geringsten, daß sie eine in Klang und Spiel mustergültige Kurtisane vorzuweisen hat - eine "hinreißende, venezianische Schönheit", wie Hoffmann sie beschreibt. Gleichwertig komplettiert wird das Trio der Geliebten Hoffmanns durch Lucine Amara, deren junge und zarte Stimme einer zerbrechlichen Antonia gehört. Mag man auch dem Prinzip der Rollenteilung der Geliebten skeptisch gegenüberstehen - hier hat sie den Vorteil, daß man drei großartige Sängerinnen erleben darf.

Martial Singher oblag die Interpretation aller drei Bösewichte und auch hier fällt neben der stimmlichen Qualität auf, welch spielerisches Talent er in seine Darstellung einzufließen lassen versteht. Besonders eindrucksvoll gerät die Spiegelarie und einmal mehr fragt sich der Hörer, was Offenbach wohl zu der Idee gesagt hätte, diese Arie in die Oper aufzunehmen ...

Charles Anthonys Darstellung der Diener muß ebenfalls sehenwert gewesen sein, dies verraten die kurzen Passagen, in denen sich Conchenille und Pitichinaccio zu Wort melden. Leider gibt es keinen Franz in dieser Aufnahme, so daß Charles Anthony bezüglich der offensichtlich möglichen Leistung etwas zu kurz kommt. Andererseits gab man sich bei der Zusammenstellung der Nummern dieses Querschnitts und der verbindenden Texte wirklich Mühe, und irgendwo mußten nun einmal Striche erfolgen.

Obwohl beide LP-Ausgaben nicht in einem Album oder einem Coffret erschienen, sondern in einer einfachen LP-Hülle, bieten sie ein ausführliches Beiheft mit dem gesamten (hervorragend ins Englische übertragenen) Text des Querschnitts, Informationen zur Oper und Bilder der zugrunde liegenden Bühnenproduktion.

[ Marcus Ebeling ]





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 • © Mai 2005 •