Pariser Leben

Version von 1866

Dirigent: Sylvain Cambreling



CD (col legno)




Mitwirkende:

Bobinet Matthias Matschke
Raoul de Gardefeu Graham F. Valentine
Gabriele Catherine Swanson
Metella Sophie Rois
der Bahnbedienstete Walter Raffeiner
Gontran Christoph Homberger
Joseph Winfried Wagner
der Baron Walter Raffeiner
die Baronin Susanne Düllmann
der Brasilianer Christoph Homberger
Alphonse Winfried Wagner
Frick Christoph Homberger
Pauline Sophie Rois
Prosper Christoph Homberger
Urbain Thomas Stache
Clara Andrea Köhler
Louise Anna Spada
Alfred Winfried Wagner
Madame de Folle-Verdure Cornelia Schmaus
Madame de Quimper-Karadec Hildegard Alex
Chor
Leitung: (keine Angabe)

Klangforum Wien
Dirigent: Sylvain Cambreling

Musikalische Bearbeitung: Sylvain Cambreling

Aufnahme:
Gesamtaufnahme
in überwiegend deutscher Sprache

Produktion:
col legno - 1998, Berlin
2 CD - stereo, live

Katalog-Nr.:
CD (col legno): WWE 2CD 20100



Anmerkungen:

Spielzeit: 1. Akt [27'45"] • 2. Akt [37'00"] • 3. Akt [34'15"] • 4. Akt [17'30"] • 5. Akt [26'15"]

Gemeinsam mit Anna Viebrock (Bühnenbild) schufen Sylvain Cambreling und Christoph Marthaler eine musikalisch und textlich an der heutigen Zeit orientierte Neufassung des »Vie Parisienne«.

Inhalt, Anzahl, Reihenfolge und Aufbau der einzelnen Gesangsnummern blieben fast unverändert, in die Orchestrierung erfolgten durch Sylvain Cambreling erhebliche Eingriffe.

In den 4. Akt wurde das Couplet »Quoi ces messieurs pourraient, ma chère« nebst Reprise für die Rolle der Madame Quimper-Karadec eingelegt.

Ebenfalls unter dem Dirigat von Sylvain Cambreling entstand:



Kommentare:


Die vorliegende Produktion verlangt dem Hörer einiges an Toleranz und Geduld ab, denn die in die Partitur erfolgten Eingriffe sind so erheblich, daß man sich wirklich erst in diese Fassung "hineinhören" muß. Und längst nicht alle Neukonstruktionen gehen auf: manches Mal wirken die Orchestrierungen schlichtweg albern oder nervig - und gleiches gilt für die Dialoge. Und auch das offenbar unvermeidliche "Can-Can"-Zitat aus »Orphée aux Enfers« ist nicht gerade ein Zeichen für Originalität.

Aber nach mehrfachem Hören kommt man nicht umhin, zuzugeben, daß hier mit Christoph Marthaler und Sylvain Cambreling Profis am Werk waren, deren Bearbeitung weitgehend fundiert und durchdacht ist. Dies beginnt mit dem überwiegenden Einsatz eines Schauspielerensembles statt ausgebildeter Sänger, so, wie es Offenbach bei der Urfassung des »Vie Parisienne« auch praktiziert hatte. Die Wahl der Instrumente und deren Einsätze unterliegen einer etwas verborgenen Pfiffigkeit, aber oft werden Text und Melodie einer Nummer wirklich effektiv unterstützt. Wenn sich der Hörer erst einmal an diese augenzwinkernden Eingriffe in das Original gewöhnt hat, macht die Aufnahme sogar richtig Spaß.

Von Vorteil ist dabei sicherlich, daß Monsieur Cambreling selbst das Orchester leitet - und daß das Klangforum Wien einem solchen Experiment offen und engagiert gegenübersteht. Das Resultat ist ein frisches und präzises Zusammenspiel von Dirigent und Orchester.

Der Text der Produktion stellt eine wahre Melange aus neuen, alten, deutschen und französischen Elementen dar, teilweise mit unbeteiligtem Ernst aufgesagt, dann wieder mit kabarettistischer Note vorgetragen. Im Ergebnis führt dies zu einer weitgehend werkgerechten, komisch-persiflierenden Unterhaltung, die in ihrer Stimmung sehr viel treffender sein dürfte als die vielen seichten Operettenproduktionen der Nachkriegszeit, die diesem Genre häppchenweise Todesstöße versetzt haben

Graham F. Valentine übertreibt ein wenig mit dem schrillen Klang seiner Stimme, so daß sein Raoul de Gardefeu, der Falsett singen, Fantasiesprachen sprechen und Hundegeheul ("Raouuuuul") ausstoßen muß, mitunter ein wenig lästig wird. Etwas weniger anstrengend präsentiert Matthias Matschke den Bonvivant Bobinet, gewollt unbeteiligt und das Geschehen eher abgeklärt beobachtend. Ein schwieriger Spagat gelingt Catherine Swanson (Gabriele), die einerseits den erheblichen gesanglichen Anforderungen der Rolle problemlos gerecht wird, andererseits aber auch nicht als professionelle Sängerin aus dem Ensemble der Schauspieler heraussticht. Etwas problematischer verhält sich die Sache dann schon bei Sophie Rois, welche sowohl Metella als auch Pauline verkörpert. Zum einen ist bei der leicht wiedererkennbaren Stimme eine Doppelbesetzung an sich schon keine gute Idee, hinzu kommt jedoch, daß sämtliche Nummern der beiden Charaktere - ist es ein Gag oder pure Notwendigkeit? - nur mit Mikrofon gesungen werden. Grundsätzlich ist jedoch zu beobachten, daß niemand mit seiner Rolle stimmlich wirklich überfordert ist.

Der Livemitschnitt bietet ein recht gute Tonqualität, wobei wie so oft die Dialoge im Verhältnis zu den Musiknummern etwas leise geraten.

Alles in allem handelt es sich hier um ein nicht in allen Feinheiten geglücktes Experiment, welches aber dringend notwendig ist, wenn man versuchen will, den Offenbach' schen Geist am Leben erhalten zu erhalten.

[ Marcus Ebeling ]




What a crime for any fan of Offenbach to miss out on this wonderfull recording of one of Jacques treasures! The EMI recording of Plasson take on this opera does not hold a feather next this version (Though it is an indeed worthy and beautiful recording)!

There are very few recordings that capture the fun as well as the magnificance of Offenbach as this recording does. It is sung in german and comes with a smaller orchestra, but the translation is very well done! Anybody who calls themselves a devout fan of Offenbach will definitely appreciate this CD. To this I swear ...

[ Brett Farrell "Offenbachinate" • 24.07.06 ]




Wenn der Offenbach-Freund liest "»La Vie Parisienne« von Jacques Offenbach, Musikalische Bearbeitung von ... ", dann ahnt er Böses und das meist zu Recht.

Wenn aber die Bearbeitung so rotzfrech daherkommt, wie die von Regisseur Christoph Marthaler und Dirigent Sylvain Cambreling, wenn sie mit so viel Können untermauert ist und mit echtem Verständnis für Offenbach und sein Werk, dann wird daraus ein intelligenter Theaterspaß, wie ihn diese Aufnahme dokumentiert.

Marthaler und Cambreling haben verstanden, aus welchen Elementen eine "Offenbachiade" besteht: Freude am höheren Nonsense, vermischt mit satirischer Gesellschaftskritik, fließende Grenzen zwischen Musik- und Sprechtheater, Parodie auf das "seriöse" Musiktheater, ein Witz welcher aus dem Zusammenspiel von Musik und Text entspringt, und Momente von Anarchie, die immer wieder in Szene und Musik durchbrechen.

All das ist auf diesem Live-Mitschnitt zu hören. Allerdings lassen die Publikumsreaktionen darauf schließen, daß dieses Tondokument nur der halbe Spaß ist und es wünschenswert wäre, wenn die Inszenierung auch auf Video-DVD herauskäme.

Das Ensemble, bestehend aus Schauspielern und Opernsängern, löst seine vielfältigen Aufgaben mit Bravour. Lediglich Sophie Rois, als Schauspielerin berühmt-berüchtigt für ihren schonungslosen Einsatz, klingt hier stimmlich so angegriffen, daß sie ihren Part nur noch hauchen kann.

Sylvain Cambreling und das hervorragend aufspielende Klangforum Wien setzen musikalische Aktzente, die in den Finali rauschhafte Züge annehmen.

Eine Einspielung, die man unbedingt kennen sollte.

[ Michael Laricchia • 23.08.06 ]




Es ist wirklich ein Jammer, dass diese CD nicht mehr im Handel erhältlich ist!

[ leider anonym • 16.03.07 ]




Witzige Aufnahme. Gute Sänger. Überzeugende Schauspieler. Hervorragende Bearbeitung. Erstklassig dirigiert. Zufriedenstellende Tonqualität.

[ Johann • 27.03.07 ]




Harenberg Komponistenlexion: »Als Live-Mittschnitt ein exemplarisches Dokument: Die ausgezeichnete Besetzung vermittelt in unnachahmlicher Weise Bühnenlebendigkeit. Ein höchst amüsantes Hörvergnügen, und dies keinesfalls nur für Operettenfreunde!«

[ aufgespürt von Opermaniac • 28.05.07 ]





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 • © Juli 2005 •