Die Banditen

Dirigent: Pinchas Steinberg



LP (RCA)


CD (Capriccio)




Mitwirkende:

Fiorella Eva Csapó
Fragoletto Jean van Ree
Falsacappa Hubert Möhler
Barbavano Gerhard Peters
Carmagnola Kurt Steigers
Domino Jörg Pavelec
Pietro Heinz Kruse
Bianca Renate Zimmermann
Cicinella Edith Knaupp
Fiametta Margret Jacoby
Zerline Friedegard Herwig
Fürst von Braganza Gerd Vespermann
Pipo Heinz Heidbüchel
Pipa Barbara Dommer
Pipetta Rita Fischer
Baron von Campotasso Otto Höpfner
Hauptmann der Polizei Gottfried Mehlhorn
Adolf von Valladolid Alejandro Vazquez
1. Page Barbara Dommer
2. Page Rita Fischer
Prinzessin von Granada Doris Bierett
Graf von Gloria-Cassis Theo Altmeyer
der Haus-Hofmeister Josef Otten
Herzogin von Alcobacca Martha Mödl
Marquise von Malaga Marita Knobel
Antonio Evelyn Künneke
Kölner Rundfunkchor
Leitung: Herbert Schernus

Kölner Rundfunkorchester
Dirigent: Pinchas Steinberg

Aufnahme:
Gesamtaufnahme ohne Dialoge
in deutscher Sprache

Produktion:
RCA - 1980, Köln
2 LP / 1 CD - stereo

Katalog-Nr.:
LP (RCA): RL 30474
CD (Capriccio): 60 090



Anmerkungen:

Spielzeit: Ouvertüre & 1. Akt [38'00"] • 2. Akt [29'45"] • 3. Akt [18'15"]

Es fehlt in dieser Aufnahme das Trio der Küchenjungen aus dem 2. Akt »Arrête-toi donc, je t'en prie« (Falsacappa / Fragoletto / Pietro).

Die Einspielung wurde auf einer (!) CD wiederveröffentlicht. Um die Aufnahme auf die Spieldauer von weniger als 80 Minuten kürzen zu können, entfielen

  • »Après avoir pris à droite« (Fiorella)
  • Entr'acte zum 2. Akt
  • »Hé là, hé là, joli notaire!« (Fiorella)
  • Entr'acte zum 3. Akt

Ebenfalls unter dem Dirigat von Pinchas Steinberg entstanden:



Kommentare:


Mit der Einspielung der »Banditen« bewies Pinchas Steinberg, daß er ein besseres Händchen für Offenbach haben kann, als es die etwas schwerfällige Produktion der »Großherzogin« vermuten läßt. Solisten und Orchester befinden sich in äußerst guter Stimmung und bescheren unter einem engagierten Dirigenten das, was für den Hörer die beste Garantie für einen ungetrübten Hörgenuß ist: eine in sich geschlossene Ensembleleistung.

Eva Csapó's Stimme besticht durch Klarheit und Volumen, ohne in irgendeiner Lage je schrill zu klingen. Jean van Ree präsentiert einen fast lyrischen Fragoletto, was der Rolle jedoch eindeutig zugute kommt. Und so gehören die gemeinsamen Nummern der beiden Interpreten zu den Höhepunkten dieser Aufnahme. Hubert Möhler bringt ebenfalls genügend stimmliche Fähigkeiten mit, um seinem Falsacappa nachhaltigen Eindruck zu verleihen. Erwähnt sei an dieser Stelle auch der Auftritt Evelyn Künnekes, welche diese unterhaltsame Produktion durch ein in jeder Beziehung hörenwertes Kassierer-Couplet ohne jedwede Allüren komplettiert.

Der eine oder andere mag bei dieser Einspielung die Dialoge vermissen, auf welche leider gänzlich verzichtet wurde. Aber gleichwohl birgt die Aufnahme eine wirkliche Geschlossenheit.

Leider gibt es einen Abzug in der B-Note, da die Produktion unter einem etwas dröhnenden Klang leidet, der angesichts des Entstehungsjahres 1981 nicht hätte sein müssen. Außerdem fällt aber ins Gewicht, daß Capriccio bei der Übernahme auf CD brachial mehrere (gute und wichtige) Nummern strich, um mit der Spielzeit einer CD auszukommen.

[ Marcus Ebeling ]




Hier liegt ausnahmsweise mal eine gelungene deutschsprachige Aufnahme eines Offenbach-Werkes vor. Durch die Übersetzung geht zwar einiges an Witz flöten, zudem wurde hier auf die Dialoge verzichtet (als seien die bei Offenbach eine entbehrliche Zutat!) und auch das Dirigat von Pinchas Steinberg kann sich nicht mit dem John Eliot Gardiners messen, aber dennoch: die Einspielung hat viel Humor und die Sänger - besonders die Männer - sind hervorragend.

[ Michael Laricchia • 06.05.06 ]




Überzeugende Einspielung. Erstklassige Sänger. Zufriedenstellendes Dirigat. CD leider gekürzt. Gute Tonqualität.

[ Johann • 27.03.07 ]




Bayern 4 Klassik: » ... Ganz und gar in seinem Element zeigt der Dirigent sich als Anwalt eines Komponisten, den manche den "Verderber der Sitten" nannten, andere den "Entlarver verderblicher Sitten".

Das letzte bedeutende Gemeinschaftswerk von Offenbach und seinen bevorzugten Librettisten Halévy und Meilhac, als opéra bouffe uraufgeführt 1869 unter dem französischen Titel »Les Brigands«, ist auch in der deutschen Fassung von Ernst Dohm, auch ohne Dialoge, auf die hier verzichtet wurde, ein Vergnügen für Freunde zugespitzter Spötteleien, zugespitzter Sarkasmen. Hut ab vor dem Spielwitz der versammelten Damen und Herren des künstlerischen Personals!«

[ aufgespürt von Opermaniac • 04.12.07 ]




Diese Aufnahme hätte ohne die spätere Gardiner-Einspielung sicher die volle Punktzahl errungen: Ein Ensemble von wirklich guten, engagierten Sängern, auch ohne großen Starglanz, und ein Pinchas Steinberg, der sich, ginge es nur nach dieser Produktion, als der deutsche Offenbach-Dirigent qualifiziert hätte.

So nimmt man auch gewisse Wermutstropfen in Kauf: dass es in dieser "von charmanten Melodien und federnden Rhythmen blitzenden Partitur" (Reclams Operettenführer) um jede Kürzung schade ist; dass ein preußisch-schlank klingender Hauptmann, der den Carabinieri-Chor allein bestreitet, der Sache nicht unbedingt gerecht wird; dass man sich für den Prinzen eine hübschere Stimme vorstellen kann als den Schauspieler Gerd Vespermann; und nicht zuletzt, dass ein Schatzmeister als Hosenrolle für mich kaum erträglich scheint, erst recht wenn man das wasserstoffblonde Haar und den blauen Lidschatten Evelyn Künnekes vor sich sieht.

Keine Lösung für ein Problem, das ein Kapellmeister so beschrieb: " ... und dann kommt auch noch ein Komiker, der x-mal das hohe C singen muss!" Das Übrige tut ein deutscher Text, der Offenbachs Musik – das plastisch vertonte »V’lan!« und die Wiederholungen – weitgehend entwertet. Selbst wer Französisch kann, begreift die volle Schlagkraft der Nummer vielleicht nur in der Aufnahme mit Dranem, 1931. (Die Gründgens/Lingen-Version ist eine Adaption aus »Belle Lurette«.) Allen anderen erschließt diese Kölner Einspielung ein Stück, das man in einer Zeit von Polit- und Wirtschaftsganoven wieder viel öfter auf Deutsch hören – und sehen – möchte.

[ leider anonym • 13.02.08 ]




Das Fehlen der Dialoge in dieser doch weitgehend unbekannten Operette ist ein ziemliches Ärgernis, da geht viel vom Gehalt des Werkes verloren. Musikalisch ist hier wirklich alles top, wenn auch in den Ensembles deutlich wird, dass die Schauspieler gesanglich nicht mit den Opernsängern zusammenpassen. Das ist bei solchen Besetzungen immer ein Problem. Ob Evelyn Künneke eine Idealbesetzung für den Finanzminister Antonio ist, bleibt Geschmackssache. Das hätte ein Mann sicher überzeugender dargeboten.

[ W. Ganske • 02.06.08 ]





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 • © Januar 2004 •