Madame Favart

Dirigent: Marcel Cariven



LP (Discoreale)



Mitwirkende:

Madame Favart Suzanne Lafaye
Charles Favart Camille Maurane
Suzanne Lina Dachary
Hector de Boispreau Joseph Peyron
Biscotin Raymond Liot
le Major Contignac André Balbon
le Sergeant Larose Jacques Pruvost
le Marquis de Pontsablé René Lenoty

Choeurs de la R.T.F.
Leitung: Jean-Paul Kreder

Orchestre Radio-Lyrique
Dirigent: Marcel Cariven
Aufnahme:
Gesamtaufnahme
in französischer Sprache

Produktion:
Discoreale - 1960
2 LP - mono

Katalog-Nr.:
LP (Discoreale): DR 10010/II



Anmerkungen:

Spielzeit: Ouvertüre & 1. Akt [46'45"] • 2. Akt [35'00"] • 3. Akt [14'30"]

Folgende Nummern wurden in der Einspielung gestrichen:
  • Entr'acte zum 2. Akt
  • Entr'acte zum 3. Akt
  • »Allons sans plus attendre« (Chor)
  • »Tyroliens de naissance« (Madame Favart)
  • »Le péril que court ma vertu« (Suzanne)
  • »Favart! L'heure s'avance!« (Chor)
  • »Je tremble, je tremble « (Madame Favart)
  • »Vive Favart!« (Chor)
Ebenfalls unter dem Dirigat von Marcel Cariven entstanden:


Kommentare:


Als einzige offiziell je erhältlich gewesene Einspielung von »Madame Favart« bleibt diese Rundfunkproduktion von 1960 letzlich konkurrenzlos. Leider muß sich der Hörer jedoch mit einigen Unzulänglichkeiten zufriedengeben.

Dies betrifft zum einen den schlechten Klang. Dem Entstehungsjahr geschuldet handelt es sich ohnehin um eine monophone Aufnahme, hinzu kommt jedoch das im Verhältnis zu den Stimmen oft in den Hintergrund gedrängte, undifferenziert klingende Orchester.

Ein weiteres Manko bilden die oft unangemessen langen Dialoge, welche im krassen Gegensatz zu den im Laufe der Einspielung immer gravierender werdenden Kürzungen stehen. Im 3. Akt schließlich wurde ungefähr die Hälfte der Nummern gestrichen, so dass hier sogar der Sinn der Handlung in Mitleidenschaft gezogen wird.

Marcel Cariven liefert nur ein unterdurchschnittliches Dirigat ab. Die Tempi sind oft schleppend und werden den Höhepunkten der Partitur nicht gerecht. Daneben tritt immer wieder das asynchrone Musizieren des Orchestre Radio-Lyrique zutage, welches zudem auch nicht selten sein eigenes Tempo neben den Sängern einschlägt.

Auch Suzanne Lafaye, welche hier die Titelrolle übernimmt, war schon überzeugender in Erscheinung getreten, so etwa in den Gesamtaufnahmen der »Périchole« unter Igor Markevitch und der »Grande Duchesse« unter Jean-Claude Hartemann. In der vorliegenden Einspielung verläßt sie oft unangenehm auffallend die vorgegebenen Noten, um hin und wieder in völlig unpassenden Sprechgesang abzugleiten. An ihrer Seite kämpft Camille Maurane darum, dem Ehemann von Madame Favart etwas Profil zu verleihen, aber im Ergebnis bleibt die Rolle trotz einer schön gesungenen Partie blaß. Beeindruckender gerät das Buffo-Pärchen in Form von Suzanne (Lina Dachary) und Hector (Joseph Peyron). Lina Dachary, die über ein ähnliches Timbre verfügt wie Suzanne Lafaye, liefert ihren Part disziplinierter ab als ihre Kollegin und Joseph Peyron gelingt eine sehr differenzierte Gestaltung seiner Rolle.

Fazit: die Aufnahme eignet sich eher zur Komplettierung der heimischen Schallplattensammlung denn zur Entdeckung eines scheinbar in Vergessenheit geratenen Offenbach-Schatzes, was nicht nur an dem schwachen Libretto des 2. und 3. Aktes, sondern vor allem an den Künstlern dieser Produktion liegt. Schade.

[ Marcus Ebeling ]





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 • © April 2007 •