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LP (Historical Recording Enterprises [HRE]) |
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Anmerkungen:
Spielzeit: [171'00"] Änderungen, Ergänzungen oder Kürzungen größeren Ausmaßes im Vergleich zu der üblichen Oeser-Fassung treten in folgenden Akten auf:
2. Akt - Olympia [38'45"] 3. Akt - Antonia [53'15"] 4. Akt - Giulietta [32'45"] 5. Akt - Stella [14'30"] * Hier handelt es sich den von Offenbach für den Liedzyklus »Les Voix Mystérieuses« komponierten Chanson »Barcarolle«, den Fritz Oeser in seine Version der »Contes« integrierte. ** »Qui connaît donc la souffrance« war ursprünglich die Ballade der Armgard »Dort, wo hundertjähr'ge Eichen, dunkele Tannen steh'n«, die Fritz Oeser aus Offenbachs Oper »Die Rheinnixen« übernahm. Ebenfalls unter dem Dirigat von Antonio de Almeida entstanden: |
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Kommentare: Mit diesem Livemitschnitt erhält der wissensdurstige Offenbach-Freund 1980 das erste Mal die Gelegenheit, sich die von Fritz Oeser zusammengestellte Version der »Contes d'Hoffmann« auf einem Tonträger anzuhören. Ihn erwartet ein nicht ganz unstrapaziöser Höreindruck, denn weder die Fassung, noch die beteiligten Künstler, noch die Klangqualität machen es einem leicht, diese Aufnahme zu mögen. Sicherlich ist Fritz Oeser zu danken, daß er sich (ebenso wie im Falle von Bizets »Carmen«) auf die Suche nach dem originalen Notenmaterial des Werkes machte. Allerdings nahm sich Oeser besonders im Giulietta-Akt große Freiheiten heraus und stopfte ohne Rücksicht auf die Quellenlage Löcher in der Partitur bisweilen durch ein Potpourri Offenbach' scher Melodien aus allen möglichen Werken. Antonio de Almeida, der inzwischen verstorbene Offenbach-Forscher, führt hier ein Dirigat, dessen breite Tempi die Melodien oft quälend langsam daher kommen läßt und dessen überbetonte Akkorde am Ende einer Nummer auf eine fast groteske Art und Weise zu sagen scheinen: "So, hier ist jetzt Schluß!". Hinzu kommt eine Vorliebe für plakative Betonungen bestimmter Orchesterpassagen, und so wechseln nahezu persiflierende Streicherteppiche mit aufschreckenden Blechbläsereinsätzen ab. Die Orchestermitglieder differieren immer wieder in der Umsetzung von Almeidas Dirigat, ihr Spiel ist nicht homogen und der schlechte Klang der Aufnahme tut das Übrige. Nicolai Gedda steht im Alter von 55 Jahren auf der Bühne und das merkt man seinem Hoffmann auch an. Fast durchgehend wirkt er angestrengt und um Frische bemüht. Besonders störend wirkt sich dabei seine Idee aus, Spitzentöne über Gebühr lange zu halten. Verglichen mit den unterdurchschnittlichen Leistungen während eines Großteils der Rolle ist dies einfach unangemessen und läßt den verzweifelten Dichter eher wie einen verhinderten Operetten-Tenor erscheinen. Aber das Publikum dankt Herrn Gedda dessen effektheischende Eskapaden mit frenetischem Applaus. Den besten Eindruck unter den Protagonisten macht Judith Forst als Nicklausse und Muse. Unaufdringlich und mit passendem Timbre schleust sie ihre Doppelrolle durch die fünf Akte und beeindruckt dabei durch eine selbst für den schlechten Klang der Aufnahme volle Stimme. Oeser hin, Quellentreue her: die Geliebten Hoffmanns werden entgegen Offenbachs Absicht wieder einmal auf mehrere Sängerinnen verteilt, was angesichts dem Anliegen Fritz Oesers, mit seiner Version der »Contes« näher an das Original zu kommen, besonders negativ zu Buche schlägt. Ruth Welting liegt mit der Darstellung ihrer Olympia im gesunden Mittelfeld, obwohl ein wenig Zurückhaltung bei der Gestaltung der Koloraturen gut getan hätte, denn so hört man bisweilen die stimmlichen Grenzen dieses Automaten. Die Antonia Ashley Putnams kommt ähnlich angestrengt daher wie der Hoffmann Nicolai Geddas und wird nur noch von der ältlichen Kurtisane Rosalind Elias' übertroffen, die mit satten 51 Jahren nicht mehr die verführerischen Reize mitbringt, welche man bei Guilietta erwartet. War Rosalind Elias auch in den 1950'er Jahren nahezu ideal mit dieser Rolle an der Metropolitan Opera New York besetzt, so geht die Rechnung knapp 30 Jahre später aus verständlichen Gründen nicht mehr auf. Einer der wenigen, die diesen gemeinschaftlichen Schiffbruch einigermaßen unbeschadet überstehen, ist José van Dam. Auch wenn die Tonqualität der Aufnahme keinen wirklichen Genuß aufkommen läßt, so ist doch deutlich hörbar, daß Herr van Dam seinen vier Bösewichtern stimmlich und interpretatorisch gewachsen ist. Seine Stimme ist zwar letztendlich ein wenig zu weich, zu freundlich für die dämonischen Widersacher, aber als Hörer freut man sich dennoch über diese solide Leistung. Ein seltsames Phänomen tritt durch James Atherton bei dieser Aufnahme auf. Die Stimme des Sängers aller vier Dienerrollen klingt trotz der rollengerechten Schrägheit um einiges angenehmer und unangestrengter als die Nicolai Geddas. Dies läßt die Aufnahme noch unausgewogener erscheinen und beeinträchtigt so den Gesamteindruck beim Hören erheblich. Wenn man es genau nimmt, ist dieser Mitschnitt durch das Erscheinen der Aufnahme unter Sylvain Cambreling nahezu überflüssig geworden. Liegt doch mit jener Einspielung eine sorgfältige Studioproduktion der Oeser-Fassung vor, deren künstlerische Qualität deutlich die der vorliegenden Version überragt.
[ Marcus Ebeling ]
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