Pariser Leben

Version von 1866

Dirigent: Willy Mattes



LP (EMI)


CD (EMI)




Mitwirkende:

Bobinet Willi Brokmeier
Raoul de Gardefeu Adolf Dallapozza
Gabriele Gabriele Fuchs
Metella Renate Holm
Gontran Karl Kreile
der Baron Marco Bakker
die Baronin Anneliese Rothenberger
der Brasilianer Klaus Hirte
Frick Martin Finke
Pauline Elke Schary
Urbain Günter Wewel
Chor des Bayerischen Rundfunks
Leitung: Gordon Kember

Münchner Rundfunkorchester
Dirigent: Willy Mattes

Aufnahme:
Gesamtaufnahme
in deutscher Sprache

Produktion:
EMI - 1982, München
2 LP / 2 CD - stereo

Katalog-Nr.:
LP (EMI): 1 C 157 46 574/75 T
CD (EMI): 7243 5 65360 2 9



Anmerkungen:

Spielzeit: Ouvertüre & 1. Akt [22'30"] • 2. Akt [23'30"] • 3. Akt [26'30"] • 4. Akt [06'00"] • 5. Akt [11'15"]

Gekürzt wurde die Aufnahme um folgende Nummern:

  • »Ce que c'est pourtant que la vie« (Raoul de Gardefeu)
  • »Il faut nous dépêcher vite« (Chor)
  • Finale 4. Akt: »Tout tourne, tourne, tourne« (der Baron, Bobinet, Urban)
  • »Avant toute chose«« (Alfred)

Dafür enthält die Produktion eine Einlage aus Offenbachs »Pépito«: die Rolle des Urbain wurde um das Couplet »En tous métiers, moi, j’excelle« (natürlich in deutscher Sprache) erweitert.

Ebenfalls unter dem Dirigat von Willy Mattes entstanden:



Kommentare:


Willy Mattes liefert mit der dritten und letzten Gesamtaufnahme Offenbach' scher Werke seine beste Arbeit ab. Tempi und Betonungen dokumentieren, wie ernst Mattes seine Aufgabe nahm. Das Zusammenspiel der Musiker, Solisten und des Chores ist geprägt von Genauigkeit und Harmonie, wobei sich glücklicherweise nicht die oft in deutschen Einspielungen auftretende Gemütlichkeit einstellt. Im Gegenteil: oft treibt Mattes das gesamte Ensemble zu fast undeutscher Eile, was der Aufnahme durchweg gut bekommt. Leider strich man einige Nummern aus der Aufnahme heraus, ohne daß hierfür plausible Gründe erkennbar wären - dies sorgt dann doch für Abzüge in der B-Note. Und es fällt negativ ins Gewicht, daß man sich nicht für eine überarbeitete Version des (nicht mehr ganz zeitgemäßen) deutschen Textes von Carl Treumann entschied wie beispielsweise in der Version unter Franz Allers.

Die Lebemänner Bobinet und de Gardefeu wurden mit Willi Brokmeier und Adolf Dallapozza sehr passend besetzt. In den Nummern stimmlich und interpretatorisch immer tadellos bewältigen sie auch die Dialoge vorbildlich - was bei Sängern keinesfalls eine Selbstverständlichkeit ist und gut gesungene Aufnahmen oft in die Mittelmäßigkeit herabzuziehen vermag. Gerade Adolf Dallapozza stützt die gesamte Aufnahme durch seine unaufdringliche Präsenz. Gabriele Fuchs leiht ihrer Namensvetterin einen klaren, sicheren Sopran und brilliert besonders im Finale des zweiten Aktes - als Generalswitwe und Sängerin der Tyrolienne (wobei Willy Mattes einen unglaublich mitreißenden Walzerrhytmus beisteuert und damit diese Version des Finales zu den besten des Kataloges zählt). Die Rolle der Metella wiederum ist Renate Holm wie auf den Leib geschneidert und sowohl die Brief-Arie als auch das Mitternachts-Rondo sind eine ernsthafte Konkurrenz für die sonst so unerreichbaren französischen Aufnahmen. Aber auch die übrigen Interpreten verdienen Lob: sie runden den angenehmen Eindruck des Dirigats und der Protagonisten ab, besonders Günter Wewel, dem man eine Einlage aus »Pépito» (»Das Mädchen von Elizondo«) gönnte und die dieser wirklich mit Verve vorzutragen weiß.

Im Hinblick auf die oft sonst so espritfreien rechtsrheinischen Aufnahmen möchte man sagen: Siehste, Deutschland, geht doch ...

[ Marcus Ebeling ]




»Pariser Leben« (»La Vie Parisienne«) zählt neben »Orpheus in der Unterwelt« zu den besten Stücken Offenbachs.

In dieser Fassung sprudelt die Musik vor Witz und Heiterkeit. Die einzelnen Charaktere sind mit hervorragenden Solisten besetzt und das Gesammtwerk an sich ist, weiß Gott, nicht so lahm wie das der Mörbischer Seefestspiele. Leider wurde im großen Finale des 5. Aktes der "Can-Can" (»Jetzt geht's los«) vor die "Hymne auf Paris" gesetzt; und trotzdem endet das Stück mit einem grandiosen Ausklang.

Eine wirklich gelungene deutsche Fassung, die leicht mit der französischen Version (mit Régine Crespin) mithalten kann.

[ leider anonym • 14.09.06 ]




Man kann diese Aufnahme so oder so betrachten: für eine deutschsprachige Offenbach-Einspielung ist sie recht gelungen - was freilich angesichts der schwachen deutschsprachigen Konkurrenz nicht viel besagt. Selbst den Vergleich mit der französischen Gesamteinspielung unter Plasson, braucht sie nicht zu scheuen - aber auch diese ist nicht gerade eine Sternstunde der Offenbach-Diskographie.

Harte Konkurrez erwächst dieser Aufnahme in ihrer deutschprachigen Schwester unter Franz Allers. Das Dirigat von Willy Mattes hält dem Vergleich zwar im Großen und Ganzen stand, die Sänger der Allers-Einspielung sind aber denen der Mattes-Aufnahme fast sämtlich überlegen: wenn auch Marco Bakker den Baron gut singt, Eberhard Wächter singt ihn besser; wenn auch Renate Holm als Metella überzeugend ein leichtes Mädchen gibt, Lisa della Casa porträtiert eine Pariser Edelkurtisane; Anneliese Rothenbergers Timbre klingt deutlich zu reif für die Baronin, somit ist Margit Schramm in dieser Rolle vorzuziehen; Gabriele Fuchs als Gabriele kann mit ihrem scharfen Sopran wenig erfreuen, zudem ist Ingeborg Hallstein in dieser Partie textverständlicher; Martin Finke überzeugt zwar als Frick, wird aber im direkten Vergleich doch von Gerhard Unger ausgestochen und so weiter. Lediglich die Lebemänner Raoul und Bobinet sind mit Adolf Dallapozza und Willi Brokmeier unter Mattes besser besetzt als mit Ferry Gruber und Peter Alexander unter Allers.

Da zudem die Übersetzung der Mattes-Aufnahme an vielen Stellen nicht optimal mit der Musik harmoniert, d.h. schwieriger zu singen bzw. zu artikulieren ist, trägt die Allers-Einspielung am Ende den Sieg davon.

Und wenn man ein wirklich übermütiges, wahnwitziges Pariser Leben erleben möchte, sollte man sich ohnehin den Mitschnitt unter Cambreling besorgen.

[ Michael Laricchia • 16.11.06 ]





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 • © September 2004 •