Kommentare:
Eine einheitliche Bewertung für dieses "Gala-Konzert" abzugeben, welches in erster
Linie Ouvertüren präsentiert, läuft in jedem Fall auf einen Kompromiß heraus.
Denn sowohl in der Auswahl der Werke als auch in deren Interpretation schwankt die
Qualität erheblich.
So wählte man wieder einmal die Wiener Fassungen der Ouvertüren zum »Orphée« und zur
»Belle Hélène«, die nicht aus Offenbachs Feder stammen und sogar für die
instrumentale Version der "Barcarole" aus den »Contes« griff man auf Manuel
Rosenthals Bearbeitung zurück. Andererseits spielte man wirkliche Raritäten ein,
darunter die Ouvertüre zum »Fortunio« und der »Rose de Saint-Flour«, welche sich
sonst nur schwer in der Discographie finden lassen.
Ebenso inkonsequent gerät das Dirigat Jean-Pierre Wallez'. Nicht selten laufen die
verschiedenen Orchesterstimmen im Presto auseinander, wiederholte Passagen weisen
beim zweiten Durchlauf eine andere Betonung auf als beim ersten Mal und mancher
Höhepunkt der Partitur bleibt unbeachtet. Dann aber widmet sich Monsieur Wallez
plötzlich einzelnen Passagen, zumeist den ruhigen, mit einfühlsamer Hand und setzt
wirkliche Maßstäbe in der Interpretation Offenbach' scher Melodien. Höhepunkte sind
hier sicherlich die »Brigands«, die »Rose de Saint-Flour« und der »Fortunio«.
So bleibt also nichts anderes übrig, als die Ausreißer in beide Richtungen der
Punkte-Skala in einer befriedigenden Wertung zusammenzufassen. Für den
eingefleischten Offenbach-Hörer stellt diese Produktion jedoch wegen der oben
erwähnten Raritäten einen unbedingten Baustein der heimischen Sammlung dar.
[ Marcus Ebeling ]
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